Die Autoindustrie muss sich etwas einfallen lassen. Die Autos auf Deutschlands Straßen werden immer älter (im Schnitt 9,3 Jahre). Und auch das Alter der Kunden steigt, wie eine Studie des Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen https://www.uni-due.de/car/ zeigt: Der klassische Neuwagenkäufer ist heute knapp 53 Jahre alt – 1995 war er erst gut 46. „Keine Lust auf Auto“ titelt der Berliner Tagesspiegel provokativ und zitiert CAR-Leiter Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer: „Die jungen Leute verlieren die Lust am eigenen Auto. Der Vertrieb läuft in den alten Bahnen, das Autohaus sitzt im Gewerbegebiet, Internet ist etwas für die freien Online-Börsen, die Automessen der Welt zeigen die bekannten Konzepte.“

„Manchmal frage ich mich auch, was die ganzen Vermarktungsstrategen der traditionellen Autohersteller eigentlich beruflich machen“, kommentiert der Personalexperte Michael Zondler ironisch. „Man muss die potenziellen Kunden da abholen, wo sie hingehen. Und da ist es nun einmal Fakt, dass ein nüchtern wirkendes 08/15-Autohaus an irgendwelchen Einfallstraßen oder auf der grünen Wiese sehr wenig Sex-Appeal verströmt.“

Zondler, Geschäftsführer des Stuttgarter Beratungshauses CENTOMO http://www.centomo.de, nennt andere Wege, die ein Marktplatz der Zukunft sein könnten. Die Marken Tesla und Opel gehen beispielsweise in Shopping-Center der ECE http://www.ece.de/presse/pressemeldungen/details-1/?tx_news_pi1[news]=466&tx_news_pi1[controller]=News&cHash=e805008f2f3b942cc77807c2456ed5bc. Seit Mitte August präsentiert der US-amerikanische E-Auto-Hersteller Tesla seine Modelle S (Limousine) und X (SUV) sowie das interaktive Tesla Design Studio. Im Store können Probefahrten vereinbart werden, im Parkhaus gibt es mehrere Tesla-Ladesäulen. Und Opel hat am 01. September einen Store im Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo eröffnet. In dem Store sind zwei bis drei Fahrzeuge ausgestellt. Zudem können sich Kunden ihr Wunschauto digital konfigurieren. Die vorkonfigurierten Autos können dann vor Ort oder zuhause über den Online-Shop bestellt werden. Für die Probefahrten stehen Testfahrzeuge auf dem Parkdeck zur Verfügung.

 

„Kunden, die seit 30 Jahren auf Opel schwören, werden vielleicht weiter ins Autohaus ihres Vertrauens ins Gewerbegebiet fahren. Doch diejenigen, die vielleicht noch nie in einem Auto dieser Marke gesessen und auf TV- und Print-Werbung nicht ansprechen, kommen vielleicht in einem Einkaufszentrum auf den Geschmack. Es ist daher eine clevere Idee, ein Auto da zu präsentieren, wo die Menschen flanieren, kommunizieren etc. Mit ein oder zwei sexy Modellen können Hersteller ihre Marke dort abseits vom Produkt in Sezen setzen – nämlich als Lifestyle-Marke mit Materialien, Feeling, Musik, Leuten, Apps, Connectivity, Zusatzangeboten wie Travel, Accessoires, Events und so weiter“, so Zondler. „Im Shopping Center in der City erschließe ich neue Käufergruppen!“

„Am Beispiel von Tesla und Stuttgart kann ich das aus eigener Erfahrung berichten, wie man mit coolen Ideen wieder Lust aufs Auto schaffen kann. Tesla hat in prominenter Lage im neueröffneten Dorotheen Quartier https://www.dorotheen-quartier.de/  eine Top-Fläche ergattert – am Wochenende ist da die Hölle los, während in den Palästen an den Ausfallstraßen ein paar wenige – ohnehin Markentreue unterwegs sind.“