Angela Merkels Auftritt auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) ist missglückt. Zu diesem Befund kommt jedenfalls Antje Höning in der „Rheinischen Post“. Die Kanzlerin habe die Chance, die „Konzern-Chefs in die Pflicht zu nehmen und dem Wahlvolk die automobile Zukunft zu skizzieren“, vertan. Während Merkels Messerundgang war die Branche bestrebt, die Zukunft der deutschen Schlüsselbranche zu präsentieren. „Also zeigen die Aussteller fast ausschließlich Exponate, die sich um Elektromobilität drehen, um Digitalisierung oder um Mobilitätsdienstleistungen“, so die FAZ.

„Ich bin froh, wenn die Debatte über die automobile Gegenwart und Zukunft nicht mehr vom Bundestagswahlkampf geprägt sein wird. Ab dem 25. September gibt es hoffentlich wieder eine inhaltliche und sachliche Auseinandersetzung“, sagt der Personalexperte Michael Zondler, Geschäftsführer von CENTOMO recruitment & interim http://www.centomo.de.

„Dieselgate und die Diskussion um Fahrverbote mögen zunächst eine ganze Schlüsselindustrie und auch die Verbraucher aufgeschreckt haben. Doch die Kunden werden profitieren. Aufgrund der breiten Berichterstattung über Manipulationen ist mehr Transparenz bei Themen wie Kraftstoffverbrauch und Schadstoffemissionen eingekehrt. Ein „Weiter so“ kann es für die Konzerne nun nicht mehr geben. Und auch der Wettbewerb unter den Autobauern im Bereich der Digitalisierung und der alternativen Antriebe bringt Vorteile für die Kunden“, so Zondler.

Assistenzsysteme, die heute weitestgehend noch Premium-Pkws vorbehalten seien, würden nach und nach den Massenmarkt erobern, das Autofahren sicherer und bequemer machen, schreibt das Nachrichtenmagazin „Focus“. „Mögen Vorstände und Politiker an der Mobilitätswende verzweifeln – die Verbraucher profitieren davon.“

Und auch für die Mitarbeiter sieht der Personalexperte Zondler, der insbesondere mit Automobilzulieferern zusammenarbeitet, nicht schwarz. Er verweist auf eine aktuelle Studie des Instituts für Automobilwirtschaft (IFA) an der Hochschule für Wirtschaft und Umwelt Nürtingen-Geislingen, wonach die Digitalisierung den Job-Schwund der Autobranche bremsen könne http://www.ifa-info.de/de/site/content/home/. Der Umstieg auf Elektroautos werde in den kommenden Jahren zwar zehntausende Arbeitsplätze in der Automobilindustrie kosten – die gleichzeitig stattfindende Digitalisierung könne den Verlust aber in großen Teilen wieder auffangen.

Milagros Caiña Carreiro-Andree, Mitglied des Vorstands und Arbeitsdirektorin bei BMW, erklärte denn auch beim jährlichen Treffen der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP), dass sich die Wertschöpfung in der Automobilindustrie in Richtung Software verschiebe. Die Digitalisierung sei für die Branche so einschneidend wie die Ablösung der Pferdekutsche durch den Motorwagen. Bei BMW würden mittlerweile genauso viele IT-Spezialisten eingestellt wie Maschinenbauer.

Für Franz-Reinhard Habbel, Sprecher des Deutschen Städte- und Gemeindebundes und einer der Väter des E-Governments in Deutschland, ist das Auto der Zukunft eher ein „iPhone auf Rädern“. Die Dieseldebatte sei zwar gut und wichtig, dürfe aber das größere Mobilitätsziel nicht vergessen machen. „Die Arbeit am autonomen Auto der Zukunft muss auf Hochtouren laufen“, so Habbel in der Zeitschrift „Kommunal“. Bei der künstlichen Intelligenz hätten die Deutschen international betrachtet zwar viel zu bieten, leider aber nicht im Bereich der Anwendungen. Während in den deutschen Mittelklassewagen Sitzpositionen individuell gespeichert werden könnten, sei Tesla mit dem E-Auto schon wesentlich weiter. Das Navigationsgerät lasse es zu, das Auto ständig mit der Cloud zu verbinden und jedem Fahrer seine individuelle Fahrerkonfiguration online zur Verfügung zu stellen, die zum Beispiel das generelle Fahrverhalten auswerte. Mit diesen Daten würden dann unter anderem der Batterieverbrauch gesteuert, Stromtankstellen reserviert und die Interaktion mit anderen Verkehrsträgern wie ÖPNV und Bahn, aber auch Parkplatzbetreibern sichergestellt: „Die neue Mobilität wird von Daten getrieben.“