Wenn nur zehn Prozent der täglichen Arbeit im Homeoffice erledigt würde, könnte das Stauproblem auf unseren Straßen messbar reduziert und ein wirksamer Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden, sagt CENTOMO-Geschäftsführer und Personalexperte Michael Zondler.

Auf unseren Straßen herrscht Dauerstress. Wie kann das Stauproblem gelöst werden? Der Wirtschaftswissenschaftler Axel Ockenfels plädiert für digitale Geschäftsmodelle. CENTOMO-Geschäftsführer Michael Zondler sagt, dass der Stau auf unseren Straßen vor allem damit zu tun hat, weil zu viele Unternehmen immer noch Wert darauf legen, dass ihre Mitarbeiter Nine-to-Five im Büro sitzen müssen.

Könnte der Markt das Stauproblem lösen?

In der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ plädiert Ockenfels für einen Verkehrsmarkt.[1] Der Autor beruft sich dabei auf den späteren Wirtschaftsnobelpreisträger William Vickrey. Aufgrund der Digitalisierung könne aus Vickreys sechzig Jahre alter Vision nun Wirklichkeit werden. Ockenfels spricht sich dafür aus, die Straßennutzung dynamisch zu bepreisen. Denn die entstehenden Kosten hingen nicht nur vom Fahrzeug, sondern auch von Ort und Zeit der Straßennutzung ab. „Erstmals könnte also Straßennutzung chirurgisch präzise und ökonomisch effizient bepreist werden. Tut man dies, werden Staus zu minimalen Kosten eliminiert“, so Ockenfels.[2]

Effiziente Preise führten dazu, „dass vielbefahrene Straßen von denen gemieden werden, die am leichtesten auf weniger befahrene Straßen, auf andere Zeiten oder auf alternative Verkehrsmittel ausweichen können. Oft reicht bereits eine kleine Reduktion der Anzahl der Fahrzeuge aus, um einen Verkehrskollaps zu vermeiden. Die Straßeninfrastruktur könnte so effizienter genutzt werden, Staus und Luftverschmutzung würde Einhalt geboten.“

Abschied von der Nine-to-Five-Kultur wirksamer als Preise und Verbote

Michael Zondler begrüßt grundsätzlich digitale Geschäftsmodelle, setzt als Personalexperte aber einen anderen Akzent bei der Problemlösung. Dem Dauerstress auf den Autobahnen und dem drohenden Verkehrsinfarkt in den Städten könne nur dann wirksam begegnet werden, wenn die allgegenwärtige Präsenzkultur in unseren Unternehmen endlich ernsthaft überdacht werde.

„18,4 Mio. Deutsche pendeln täglich zur Arbeit und legen dabei im Schnitt 17 Kilometer bis zum Arbeitsplatz zurück. Öffentliche Verkehrsmittel wie Bus, Straßenbahn, U-Bahn oder Zug werden nur von rund 14 Prozent der Deutschen zum Pendeln genutzt. Bei durchschnittlich 200 Arbeitstagen pro Jahr sind das summa summarum 125 Mrd. Kilometer pro Jahr. Wenn wir es durch New-Work hinbekommen, zehn Prozent der Arbeit Remote oder im Homeoffice zu erledigen, schonen wir massiv das Klima und unsere Geldbeutel gleichermaßen. Wir könnten in diesem Fall 12,5 Mrd. Kilometer pro Jahr sparen und 1,6 Mio. Tonnen CO2. Mehr Homeoffice und weniger Anwesenheitszwang im Büro: Das ist der Schlüssel für unsere Stauprobleme und leistet einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz“, so Zondler.

Natürlich sei bewusst, dass Berufe im Gesundheitswesen, Einzelhandel, Bau & Verkehr, Produktion usw. Anwesenheit erfordern. Es gäbe allerdings unzählige Administrations- und Bürotätigkeiten, welche nicht zwingend die Anwesenheit der Mitarbeiter erfordern, erläutert Zondler. Zehn Prozent mehr Homeoffice sei ein realistischer und kein wirklichkeitsfremder Ansatz.

[1] Axel Ockenfels, Verkehrssteuerung im 21. Jahrhundert, in: FAZ, 11.06.2018, Seite 16.

[2] https://www.xing.com/news/klartext/der-markt-kann-den-verkehr-regeln-wenn-wir-ihn-ermoglichen-2391.