Vor 50000 Jahren sah die Welt noch anders aus. Dies betrifft vor allem die Lebens- und Arbeitswelt unserer Urahnen. „Es gab keinen Spezialisten für Steinaxt-Design, Steinaxt-Herstellung, Steinaxt-Marketing, Steinaxt-Kundenservice, Steinaxt-Schulung oder Steinaxt-Community-Management“, schreibt der Schweizer Publizist und Unternehmer Rolf Dobelli in der Neuen Zürcher Zeitung. „Es gab nicht mal jemanden, der sich darauf beschränkte, mit Steinäxten herumzufuchteln. Jeder stellte seine eigenen Äxte her, und jeder wusste, wie sie zu handhaben waren. Der Jäger und Sammler kennt keinen Beruf.“

Es sei heute an der Zeit, dass wir aufhören, das Generalistentum zu romantisieren. Heutzutage, so der Autor, führe der einzige Weg zum beruflichen Erfolg und zum Wohlstand über die Spezialisierung. Bildung sei nur noch als Hobby sinnvoll.

Michael Zondler, Geschäftsführer des Stuttgarter Beratungsunternehmens CENTOMO, kann diese Sicht in Teilen bestätigen. „Wir sind aktuell der einzige Personaldienstleister in Deutschland mit einem klaren Fokus auf die Mobilität der Zukunft. Diese Spezialisierung verschafft sowohl uns als auch unseren Mandanten Wettbewerbsvorteile, die wir nicht erzielen könnten, wenn wir als eine Art Gemischtwarenladen auftreten würden. Um es in einem Bild zu sagen: Ein Personalberatungsunternehmen kann man nicht wie einen Tante-Emma-Laden, sondern nur wie ein Fachgeschäft führen“, so Zondler.

Spezialisten sind keine Fachidioten

Dobelli drückt dies so aus: Nur wer sein eigenes Rennen fährt, gewinnt. Heute kann man als Generalist wirtschaftlich nicht mehr erfolgreich sein, weil das Fachwissen immer stärker ansteigt, während das Allgemeinwissen im Vergleich zu früheren Generationen schrumpft. Schon jetzt hat das menschliche Hirn genug damit zu tun, ständig neue Fakten aus dem eigenen Fachbereich zu speichern. Es gibt immer mehr Nischenarbeiter.

Zondlers Klienten sind allesamt hochspezialisierte Fachkräfte. Sie kommen aus verschiedenen Branchen und arbeiten gemeinsam an der automobilen Zukunft. Neben der Ingenieurseite gibt es einen hohen Bedarf an Experten aus dem Bereich der klassischen IT mit den Themen Vernetzung, Datenmanagement und künstliche Intelligenz.

Dass Bildung nur noch als Hobby sinnvoll sei, will Zondler allerdings nicht so stehen lassen. „Wir müssen Bildung nur anders definieren als vor 100 oder 200 Jahren. Neben der beruflichen Spezialisierung runden gute Umgangsformen, Fremdsprachenkenntnisse, Digitalkompetenz und interkulturelle Kompetenz in meinen Augen eine gute Fachkraft ab. Sie werden wahrscheinlich aber wenig IT-Experten finden, die nebenbei Experten in klassischer Literatur sind und Gedichte lieben. Jede Generation muss für sich neu definieren, was sie unter Allgemeinbildung versteht“, sagt der CENTOMO-Chef.